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Geschichte des Trickfilms

Zeichentrickfilme begleiten mich seit meiner Kindheit. Zusammen mit Comics bildeten sie die Grundlage meiner ersten Erfahrungen mit dem Zeichnen. Diese fantastischen Figuren lebendig in Bewegung zu sehen ist faszinierend.
  • 13 Februar 2026
  • 10 min Lesezeit
Winfried Bellmann
Winni

Das Wort „Animation“ bedeutet genau das: lateinisch „animare“ heißt es soviel wie „zum Leben erwecken“. Durch die Abfolge von künstlich erzeugten Bildern über Projektion entsteht beim Zuschauen die Illusion von Bewegung. Ein anderes Wort dafür ist „Stopptrick“. Seit den ersten Trickfilmen haben sich der optische Stil und die Intensität der Illusion immer weiter entwickelt.

In den letzten Jahren haben Computer eine Revolution der Tricktechnik herbeigeführt. Neben Puppentrick, Zeichentrick und anderen gibt es seit 1974 Computer-Animation. Diese ist von Hause aus zu fotorealistisch wirkenden Simulationen gedacht. Jedoch kann man sie auch abstrakt einsetzten. Zum Beispiel einen Stil, der dem des Zeichentrick nachempfunden ist, mit einem weniger abstrakten Hintergrund kombinieren.

Erste Erfindungen

Émile Reynauds optisches Theater
Émile Reynauds optisches Theater

Die ersten gezeichneten Bewegtbilder, die auf Leinwand projiziert wurden, schuf der Franzose Émile Reynaud, die er 1892 in Paris vorstellte. Für sein patentiertes „optisches Theater“ benutze er direkt bemalte Gelantinefolie, die durch einen Projektor lief. 1906 erfand der us-amerikanische Regisseur James Stuard Blackton den Trickfilm erneut und produzierte die Filme „Humorous Phases Of Funny Faces“ und „The Magic Fountain Pen“. Dazu bediente er sich einer neuartigen Erfindung: der Filmkamera. Jedoch wendete er sich danach wieder dem Realfilm zu, in dem Glauben, Zeichentrick sei nur eine sinnlose Spielerei.

Émile Cohls Le Cauchemar du Fantoche
Émile Cohls „Le Cauchemar du Fantoche”

Als eigentlicher Vater des Trickfilms gilt Émile Cohl, ein französischer Karikaturist, der von 1908 bis 1918 insgesamt 100 dessins animés herstellte. Sein erster Film „Fantasmagorie“, in dem sich ein Elefant in eine Tänzerin verwandelt, dauerte knapp 2 Minuten. Im selben Jahr veröffentlichte Cohl seinen wohl bekanntesten Trickfilm „Le Cauchemar du Fantoche“.

Winsor McCays Gertie, the Dinosaur
Winsor McCays „Gertie, the Dinosaur“

Zu Popularität verhalf schließlich Winsor McCay, der mit „Gertie, the Dinosaur“ 1914 die erste populäre Trickfilmfigur erschuf. In Folge dessen entstanden Anfang der 20er Jahre die ersten Trickfilmstudios. Dort wurde eine systematische Arbeitstechnik entwickelt, deren Abläufe noch bis heute gültig geblieben sind. Während zu Beginn noch alle Zeichnungen direkt fotografiert wurden, führte man ab 1920 Folien (engl. „cel“) ein, wodurch die Figuren mit aufwendigen Hintergründen kombiniert werden konnten. Produziert wurden hauptsächlich Serien von Kurzfilmen mit ein und derselben Hauptfigur. Als Vorlage dienten die Comicstrips der Tageszeitungen.

Eine frühe Industrie entsteht

Max Fleischers Betty Boop
Max Fleischers “Betty Boop”

Neben Max Fleischer („Betty Boop“), Bud Fisher („Mutt and Jeff“) und Pat Sullivan („Felix the Cat“) erfreuten sich Trickfilme von Walt Disney wachsender Beliebtheit, dessen erster Film „Skeleton Dance“ tanzende Skelette zeigte.

Der rasant gestiegene Aufwand von Zeichentrickproduktionen benötigte einen großen Binnenmarkt um die entstehenden Kosten zu kompensieren. Europa fehlte dieser erste geschlossene Absatzmarkt. Somit konnten us-ameriakanische Zeichentrickfilme, die bereits ihr Geld eingespielt hatten, schnell die Konkurrenz in Europa überrollen.

Während der Schwede Victor Bergdahl mit seinen Serien „Kapitän Grogg“ und „Rentier Knüppeldick“ von der Vorrangsstellung skandinavischer Filme in ganz Europa profitierte, setzte während des ersten Weltkrieges eine Flut von us-amerikanischen Filmen ein, gegen die einheimische Produzenten machtlos waren. Kurt Wiese mit der Serie „Lustige Jagten und Abenteuer“ ebenso wie Otto Hermann mit seinen zwei Gaunern „Plimps und Plumps“ mussten nach ersten Versuchen auf dem Markt ihre Arbeit wieder aufgeben.

Victor Bergdahl Captain Grogg
Victor Bergdahl “Captain Grogg”

Dafür entstanden der abstrakte Film, beschränkt auf bewegte geometrische Formen, Flächen und Striche zum Teil direkt auf das Filmmaterial gemalt, und der Silhouettenfilm, der ähnlich dem Schattenspiel bewegte Scherenschnitte zeigte. Die Berliner Malerin Lotte Reiniger entwarf Silhouetten mit beweglichen Gelenken für ihre Filme, wie in ihrem ersten Langspielfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von 1926, mit dem sie internationale Erfolge feierte.

Kommerzialisierung

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Walt Disneys „Steamboat Willie“ mit Mickey Mouse; Foto von Disney

Inzwischen konnte sich Walt Disney mit seiner Schöpfung „Mickey Mouse“ weltweit durchsetzen. Er verstand es, den neu eingeführten Ton mit seinen Trickbildern zu einem einheitlichen ganzen zu verschmelzen. 1928 wurde sein Film „Steamboat Willie“, der erste Film mit Mickey als erster Zeichentonfilm überhaupt uraufgeführt. Immer feiner entwickelte er die Techniken zur Verarbeitung der angefertigten Einzelbilder. Zunächst führte er die Hell-Dunkel-Tönung, 1930 dann die Farbe ein. 1933 lies er die so genannte Multiplankamera entwickeln, mit der es möglich wurde den Hintergrund auf mehrere Folien verteilt planar mit einem Mechanismus zu verschieben, wodurch man einen räumlichen Eindruck einer Kamerafahrt bekommt. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Disney mit seinem ersten Spielfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ 1937.

Nach einer fast zwanzigjährigen Periode der Alleinherrschaft über das Medium Zeichentrick entwickelte sich sein ehemaliger Angestellter Stephen Bosustow, der Gründer der Firma UPA (United Produktions of America), zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Konkurrenten. Mit seinen Schöpfungen wie Mr. Magoo reizte er eine von Disneys Schwächen aus: die Darstellung des Menschen. Hier versagte Disney lange Zeit, da seine Figuren nur karikativ und zu geschmeidig animiert waren jedoch seine Menschen unkarikierbare positive Helden.

Mit der Kommerzialisierung und einem wachsenden Markt durch das Fernsehen führte Bosustow in den 50ern die „Limited Animation“ ein. Dabei musste nun nicht mehr die gesamte Figur gezeichnet werden, sondern nur noch die sich bewegenden Teile. 1970 kam der Computer hinzu, um Kamerafahrten zu berechnen. Ab 1990 wurde das Abfotografieren der Zeichnungen durch Einscannen ersetzt, die nun am PC mit wesentlich geringerem Aufwand koloriert werden konnten.

Bis Ende der 60er bleibt das deutsche Fernsehen weitestgehend zeichentrickfilmfrei. Die Produktion ist viel zu teuer, selbst den Einkauf können sich ARD und ZDF nicht leisten. Erst ab 1968 beginnt mit „Familie Feuerstein“ und 1972 „Schweinchen Dick“ eine etablierte Ausstrahlung von US- später auch asiatischen Zeichentrickserien.

Zunehmend greift Asien in die Trickfilmentwicklung ein. Aus Japan kommt ein völlig neuer Zeichenstil, genannt Anime und verbreitet sich schlagartig. „Der Zauberer und die Banditen“ werden 1961 als erstes Anime im deutschen Kino aufgeführt. „Wickie und die starken Männer“ sind die erste Serie im deutschen Fernsehen und starten 1974 auf ZDF. Animes bedienen sich enorm der Limited Animation, da sie sich vorrangig als Massenware produziert werden.

Computeranimation ändert alles

1974 entsteht der erste voll animierte Film im Computer mit dem Namen „Hunger“ von Peter Foldes in Kanada. Er benutzt zum ersten Mal die Morphing Technik. Der Computer berechnet durch Interpolation die fehlenden Bilder zwischen zwei ihm vorgegebenen Einzelbildern.

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Peter Foldes „Hunger“

Zwei Jahre später schon wird erstmals computergestützte Animation in einem Kinofilm verwendet: eine Drahtgitterhand in dem Film „Future World“. „Starwars“ und „Startrek“ bedienen sich immer häufiger dieser Technik. 1982 verwendet der Kinofilm „Tron“ erstmals massiv Comutergrafik, kurz CG. Bis z diesem Zeitpunkt wirkt diese Art von bewegten Bildern noch sehr künstlich und kalt. Doch mit der Entwicklung immer besserer Algorithmen zur Berechnung von Licht, Schatten und später auch organischen Formen und durch die sich schnell entwickelnde Rechentechnik hält die CG-Animation immer mehr Einzug in Film und Fernsehen, meist als Einsatz von immer realistischeren Effekten, wie computergenerierte Dinosaurier in „Jurassic Parc“ 1993 oder ein künstlicher Mensch aus flüssigem Metall in „Terminator 2“ 1991.

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Still aus dem offiziellen Presse Kit des aktuellen „Toy Story 5“; Foto von Disney

Der erste Kinofilm, der vollständig im Computer entstand, ist „Toy Story“ von Pixar 1995. Zu der Zeit sahen gerenderte Objekte noch aus wie Plastik. Haut zum Beispiel oder Haare waren für die Rechner zu aufwendig. Deswegen entschied Regisseur John Lasseter eben einen Film mit Spielzeug zu machen, der ihm einen Oscar einbrachte. Als letzte große Errungenschaft der Computergrafik gilt die Bullettime, eine extrem langsame Zeitlupe, in der blitzschnelle Bewegungen in Kombination mit Kamerafahrten dargestellt werden können, erstmals eingesetzt in „Matrix“ 1999. Inzwischen ist CG ein etablierter, fester Bestandteil von Filmproduktionen geworden. Vor allem Filme aus den USA setzen auf dessen Effektkraft. Aber zum Glück gibt es noch jede Menge weitere Film- und Trickfilmproduktionen, die sich weiterhin klassischer Macharten bedienen.

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Bullettime erstmals in „Matrix“ der Wachowski Brothers; Fotos von Warner Bros.

Was bis heute geblieben ist

Die Herangehensweise bei einem klassischen Zeichentrickfilm ist der heutigen Art des Computeranimierens stellenweise immer noch völlig gleich. Als Grundlage dient nach wie vor ein Drehbuch, wonach ein Storyboard, das mindestens eine Zeichnung jeder Kameraeinstellung enthält, und ein Modelsheet, eine Sammlung von Zeichnungen zu Gestik und Mimik eines Charakters im Film, angefertigt werden. Die Dialoge werden eingesprochen und es wird ein Exposure Sheet erstellt, das framegenau Ton und Bild auflistet. Zusätzlich entstehen Layouts für Hintergründe oder wichtige Objekte, zum Bespiel Fahrzeuge, die mit dem Storyboard, dem Modelsheet und dem Exposure Sheet an den Animator weitergegeben werden.

Dieser zeichnet an einem speziellen Lichttisch nun für jede Szene seinen ihm zugewiesenen Charakter in Keyframes. Das heißt, er zeichnet nur die Extreme jeder Bewegung. Bei einem Sprung zum Beispiel wären das 3 Bilder: Anspannen, Maximale Sprunghöhe und Landung. All diese Zeichnungen werden abfotografiert und können dann mit angepasster Länge pro Bild abgespielt werden. Das Ergebnis wird nun einem Inbetweener weitergegeben, der die fehlenden Zwischenbilder zeichnet. Normalerweise reichen 12 Bilder pro Sekunde (fps), bei schnellen Bewegungen müssen es 24 Bilder sein, damit die Bewegung nicht „ruckelt“.

Außer den Figuren müssen eventuell Spezialeffekte animiert werden, zum Beispiel Wind, Regen, Feuer oder sich brechende Wellen. Diese Zeichnungen werden nun von einem Koloristen mit Tinte auf Folie übertragen und auf der Rückseite ausgemalt. Damit die einzelnen Folien nicht verrutschen können, hat jede eine Lochung. Die Hintergründe werden meist mit Pinsel und Farbe gemalt und stehen damit im Kontrast zu den flächig wirkenden Figuren. Wichtig dabei ist eine genau gleiche Lichtsetzung bei Hintergrund und animierter Figur. Unter der Kamera werden diese schließlich kombiniert und final abfotografiert.

Quellen

  • Reinhold Erich Thiel, „Puppen und Zeichenfilm oder Walt Disney aufsässige Erben“, 1960, Rembrand Verlag GmbH, Berlin
  • Michael Itschert, „Der deutsche Animationsfilm von den Anfängen bis zur Gegenwart“, 2003, Gardetz! Verlag, Sankt Augustin
  • J. Halas, B. Privett, „Gezeichnete Filme“, 1957, Knapp Verlag, Düsseldorf
  • Hans Dieter Ehrlinger, „Handbuch Kinderfernsehen“, 1998, UVK Medien, Konstanz
  • Lea Treese, „Go East – Zum Boom japanischer Mangas und Animes in Deutschland“, 2006, LIT Verlag, Berlin
  • Jean-Pierre Moulin & Yvan Dalain, „Eintritt frei – Zeichentrickfilm“, 1963, Editions Rencontre, Lausanne
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