Ich erinnere mich noch heute an unser erstes gemeinsame Treffen. Doreen und ich stehen am Hackischen Markt in Berlin und lässig, entspannt kommt uns der Typ entgegen, der wir perfekt auf die Rolle des Borowski passen würde: Jan Sosniok. Klar hat man als Filmstudent weiche Knie und fragt sich in dem Moment, was wird jetzt passieren? Wie wird er reagieren? Kommen wir zusammen oder stellen wir am Ende fest, es wird doch nichts?
Und schon im nächsten Moment drückt uns der charismatische Jan die Hand und meint: „Na ihr zwei? Ein interessantes Projekt, was ihr da vorhabt. Ich kenne hier ein cooles Café, wo wir ihr mir alles erzählen könnt.“ Und genau so herzlich wir diese Begrüßung sollte die gesamte Zusammenarbeit werden.
Doch fangen wir etwas früher an. Wenn ich eine Rolle schreibe, habe ich immer eine Figur im Kopf. Meist ein bekanntes Gesicht, das ich schon kenne. Das war in dem Falle Moritz Bleibtreu – ambivalent, witzig, aber auch irgendwie gefährlich. Schnell war klar, dass dieser bei Projekten unserer Kategorie nicht dabei sein wird. Also gingen wir in die Recherche – und fanden ziemlich schnell Jan Sosniok.
Jan passte vor allem so gut auf die Figur des eher bösen Characters Borowski weil er selbst wie im Portrait oben ein gleichzeitig attraktives wie auch kantiges Gesicht mit starken Linien hat. Dazu kommt seine markante, rauchige Stimme und sein lässiges, raumgreifendes Schauspiel. Kombiniert mit einer Lederjacken-Hoodie-Kombination ergab das den Boroksi, den wir im Kopf hatten: stark, dunkel und subil hinterhälig.
Nach dem ersten Austausch mit seiner Agentin stellten sich heraus, dass Jan tatsächlich Lust hatte, die Rolle zu übernehmen. Dass das so geklappt hatte, verdanke ich ganz besonders Doreen, die mit voller Begeisterung und Ausdauer unsere Zusammenarbeit eingefädelt und geklärt hatte. Jan meinte später mal zu mir, dass in seinem Drehalltag selten originelle Stoffe verfilmt werden. Fersehen ist oft standardisierte Kost mit klischeehaften Charakteren. So hatte er einfach Bock auf eine etwas andere Rolle, die rauer und dunkler angelegt war in einem Film Noir Setting, dass selten in der deutschen Filmlandschaft vorkommt.
Das Jan selbst ein unkomplizierter, supersympatischer und witziger Typ ist, ist allgemein bekannt. Und so verbindet uns bis heute ein enge Freundschaft weit über das Thema Film.
Reinhard kannte ich bereits durch die damalige Produktionsfirma 4me studios in Weimar. Besonders seine Stimme blieb mir damals markant in Erinnerung. Gleichzeit wusste ich, dass er große Rollen am Theater Erfurt hatte. Und er passte so gut auf die Rolle, dass wir, nachdem Jan zugesagt hatte, Friedrich unbedingt dabei haben wollten. Ob ihr es glaubt oder nicht, ein Telefonat reichte und Reinhard war sofort dabei.
Eigentlich hatten wir uns die Umsetzung des Neuhäuser anders gedacht. Zuvor hatten wir mit dem Schauspieler Ezard Haußmann gesprochen und ihn für das Projekt gewinnen können. Aber am Ende konnten wir ihm die Bedingungen nicht bieten, die er am Set gewohnt war. Hier wurde mir nochmal deutlich, dass nicht jeder Schauspieler bei einem guten Drehbuch dranbleibt. Die Erwartungen an den Produzenten können sich an der Stelle stark unterscheiden.
Es dauerte wir gesagt wenige Tage, bis wir nach Ezards Absage Reinhard Friedrich mit an Bord hatten. Und rückblickend war dieser Umbruch wie eine glückliche Fügung des Schicksals. Friedrich war ein Mensch, der voller Ideen, Inspiration und völlig entspannt mit uns gearbeitet hat. Von ihm konnte ich noch während der Dreharbeiten viele praktische Tricks zum Schauspiel lernen. Und es sollte nicht die letzte Zusammenarbeit bleiben.
Leider ist Reinhard Friedrich 2016 im frühen Alter von 59 Jahren verstorben. Ich danke ihm für die große Leidenschaft und sein Engagement, dass er uns gegenüber gezeigt hat.
Max als dritte Figur im Film kam als letzter und auf Empfehlung hinzu. Er spielte damals in der jüngeren Szene Theater und gehörte zu der Kategorie Schauspieler, die schwierig zu erreichen sind. Vor Dreh hatten wir ihn doch irgendwann am Telefon und bekamen seine Zusage.
Wir hätten es uns schon denken können: am Drehtag selbst wieder kein Zeichen von Max. Das machte uns mächtig Sorgen. Wir hatten sogar bereits einen Ausweich-Kandidaten, mit dem wir anfingen die Szene zu proben, als Max doch noch irgendwann gegen Mitternacht auftauchte – zum Glück! Denn es funkte sofort zwischen ihm und Jan und er spielte den Barkeeper hervorragend.